Teil II: Leenaun Hill – Panoramawanderung über einem riesigen Amphitheater

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Hoch über Killary Harbour führt diese Wanderung und bietet spektakuläre Ausblicke auf diesen einzigen Fjord Irlands, in dem während des Ersten Weltkrieges sogar die englische Flotte vor Anker ging.

Schon die Anfahrt nach Leenaun ist spektakuär:

Eine sehr schmale Straße führt entlang des Fjords mit seinen Austernbänken nach Leenaun, das zwischen den Maumturk und den Mweelrea Mountains am Ende der Burcht des Killary Harbour liegt. Nachdem ich meinen kleinen Mietwagen (ein Tipp für alle, die in Irland ein Auto mieten wollen: hier gilt „je kleiner desto besser“, denn die Straßenbreite in irischen Hinterland entspricht der eines deutschen Feldweges) sicher auf dem Parkplatz vor dem Souvenirshop abgestellt habe, finde ich auch sehr schnell den Einstieg in den Rundweg. An der Straße nach Maum geht es direkt nach einer Brücke rechts über ein Gatter und vorbei an Schafen folge ich zunächst dem deutlich erkennbaren Schotterweg entlang des Baches, den ich an einer geeigneten Stelle überquere.

Der Pfad, den ich dachte zu erkennen, verliert sich im sumpfigen Untergrund

Ich orientiere mich einzig und allein an dem erkennbaren Kamm vor mir. Ein großer Fels ist mein erstes Ziel, das ich mühelos erreiche. Die Beschreibung im Rother stimmt bereits jetzt nicht mehr mit meinem Weg überein und ich habe leicht die Orientierung verloren. Anhand des Bachlaufes und der Beschreibung wird mir klar, wohin es gehen soll. Ich entscheide mich für den Bergrücken direkt rechts von mir und quäle mich das ziemlich steile Stück quer über die Wiese nach oben.

Gipfelkreuz – Fehlanzeige

Dort angekommen macht die Beschreibung plötzlich wieder Sinn: ich befinde mich auf einer Höhe von 450 Metern, habe den steilen Anstieg hinter mir und nun wechseln bis zum Gipfel Flachstücke mit Steilstufen ab. Ich umgehe einige Felspassagen, halte mich jedoch im Wesentlichen an den Weidezaun rechter Hand und erreiche nach ca. 2 Stunden den Gipfel des Leenaun Hill (618m), den ein großer Steinhaufen markiert.

Hier oben kann ich mich wieder gut orientieren und habe das nächste Ziel, den Gipfel des Búcán fest im Blick. Auf dem Grat entlang wandere ich weiter rechts vom Weidezauns, immer wieder muss ich erodierte Abschnitte kleinräumig umgehen, um nicht einzusinken. Doch ich habe Glück: es hat hier lange nicht geregnet, die Sonne scheint und der Untergrund ist meist trocken, so dass ich manche Moorstelle tatsächlich einfach trockenen Fußes direkt überqueren kann.

Die Aussicht ist die ganze Zeit fantastisch:

Tief unter mir liegt Killary Harbour und gegenüber blicke ich auf die 800 Meter hohen Berge der Mweelrea Mountains, dazu einen strahlend blauen Himmel und fast zu viel Sonne – ohne Sonnenhut geht es heute gar nicht.

Auf dem zweiten Gipfel angekommen, suche ich vergeblich nach dem in der Tourbeschreibung aufgeführten See, den man von hier anscheinend bereits sehen kann. Das wäre der nächste Orientierungspunkt… Glücklicherweise treffe ich auf einen einheimischen Wanderführer, der mir die Richtung weist. Nur wenige Meter tiefer kann ich den See erkennen und gehe weiterhin querfeldein (es ist noch immer kein deutlicher Weg auszumachen) zum See, den ich weiträumig auf der rechten Seite umgehe. Selbst heute ist der Untergrund hier noch sehr sumpfig und ich muss meine Schritte sehr vorsichtig setzen.

Nicht auszumalen, wie beschwerlich der Weg nach einer Regenperiode sein mag.

Ab jetzt folge ich talabwärts mehr oder weniger dem Laghtyfahagaun River, der dem See entspringt und übersteige weiter unten mehrere Weidezäune. Der Bachlauf erinnert an einen Gebirgsbach in den Alpen, sanft gurgelnd schlängelt er sich durch die Wiese und überwindet das Gefälle mit mehreren kleinen Wasserfällen.

Schließlich entdecke ich unter mir den Western Way, mein nächster Orientierungspunkt. Ich folge dem alten Handelsweg nach rechts, erreiche die Nationalstraße N59, die mich zurück zu meinem Ausgangspunkt führt.

Ich lasse den Tag bei Kaffee und köstlichem Kuchen im Café des Souvenirshops ausklingen und bin froh, die Orientierung am Berg wiedergefunden zu haben. So ganz wohl war mir nicht, ganz alleine auf dem Berg, hin und wieder in Gesellschaft eines oder mehrerer Schafe.

Ausgangs- und Endpunkt dieser Tagestour ist das Postamt in der Ortsmitte von Leenaun/Leenane im Westen der Grafschaft Galway.

Länge der Strecke: ca. 12,5 km, 600 Höhenmeter auf- und abwärts

Schwierigkeit: mittel, Bergtour im sehr steilen, weglosen und oft nassen Gelände, daher Bergerfahrung von Vorteil. Bei Regen und Nebel nicht gehen!

Karten und Beschreibung: Rother Wanderführer Irland, Nr. 33. Die passende Karte (discovery series No. 37) im Maßstab 1: 50.000 erhältst Du vor Ort in jedem Supermarkt oder Souvenirshop für ca. 8 Euro. Leider ist diese Tour – wie übrigens die meisten Vorschläge aus dem Rother – nicht in der Karte als Wanderweg ausgewiesen, so dass Du auf keinen Fall ohne die zugehörigen GPS-Daten losziehen solltest. Auch ist die Wanderung bei Schlechtwetter oder Nebel keineswegs zu empfehlen, da Du bei schlechter Sicht im Moor sehr schnell die Orientierung verlierst und nicht in den Genuss des Highlights der Tour – das einzigartige Panorama -kommst.

Wie Du die Daten des Rother Reiseführers auf Dein Handy bekommst, beschreibe ich im Artikel „Wandern in Westirland – Navigation mit dem Handy für Anfänger“. 

 
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