Bugata Camp – der Ort meines persönlichen Grauens

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Vom Bugata  Camp zum  Butawu Camp (Tag 7 von 12), Teil I.

Bugata – Das Camp meines persönlichen Schreckens

Ich sagte mir „Du brauchst Energie, also esse auf“. Hätte ich mal besser meinem Gefühl vertraut….

Na super, gestern gab es zum Abendessen Bolognese Sauce und Kartoffelpüree (für die anderen gab es Pasta, doch weil ich keine Nudeln esse – das ist eine andere Geschichte – wurde Kartoffelpüree serviert) und ich hatte mir mit dem Essen schwergetan. Begründet auch darin, dass wir seit drei Tagen in den Bergen unterwegs sind und es dann wärmeempfindliches Hackfleisch gibt… Meinem Gefühl folgend hätte ich rückblickend nur wenige Bissen essen sollen, doch der Verstand hat gesiegt. Zwei Stunden später wurde es mir von einer Sekunde auf die andere richtig übel und nichts ging mehr. Als ich im Bett lag, konnte ich vor lauter Übelkeit nicht schlafen. Zusätzlich habe ich am ganzen Körper gezittert, Panik überkam mich.

Für mich war in diesem Moment die Tour zu Ende, den Gipfel habe ich gedanklich bereits abgehakt. Ich wollte nur diese Nacht überstehen, überleben.

Also habe ich Marcus geweckt und der arme Kerl lag dann in Eiseskälte neben mir, ohne Schlafsack und hat mich beruhigt. Ich dachte wirklich, ich würde in dieser Nacht sterben, keine medizinische Hilfe in Sicht. Irgendwann hatte ich mich soweit beruhigt, dass ich aufstehen und mich übergeben konnte. Das komplette Abendessen habe ich von mir gegeben und bin anschließend erleichtert tief und fest eingeschlafen.

Ich weiß nicht wieviel später ich wieder aufgewacht bin und es gerade noch aus meinem Schlafsack raus und vor die Türe geschafft habe, um mich wieder zu übergeben.

Gestern war die Welt für uns noch in Ordnung…

Amy sei Dank an dieser Stelle, die gerade von der Toilette kam und sich liebevoll um mich kümmerte als weitere Brechattacken folgten. Als Medizinstudentin kompetent in der Situation hat sie kurzerhand meine Matratze in den Essensbungalow verlegt, mir einen (Kotz-)Mülleimer bereitgestellt und Marcus geweckt, damit er mit seiner Matratze zu mir umziehen und mich die restliche Nacht betreuen kann. Und wir hatten wahrlich keine angenehme Nacht: Zunächst alle 20 Minuten, dann jede Stunde habe ich mich erbrochen bis in den frühen Morgenstunden nichts mehr zum Übergeben da war… Zwischen den Attacken bin ich erschöpft eingeschlafen, bei Marcus hingegen war an Schlaf nicht zu denken. Ich bin ihm so unendlich dankbar für die Nähe und die Fürsorge in dieser schrecklichen Nacht.

Am Morgen habe ich es nicht einmal geschafft, meine Tasche zu packen. Lediglich Zähne putzen, anziehen und eine Tasse Tee trinken habe ich gemeistert.

Offen blieb die Frage: Höhenkrank oder Magen-Darm-Infekt. Höhenkrank hätte den sofortigen Abstieg bedeutet. Also beschloss ich (leichtsinnig und naiv) dass es ein Infekt sein muss.

Ohnehin keine tolle Diagnose in 4.000 Meter Höhe ohne medizinische Versorgung. Da das nächste Camp 100 Meter tiefer liegt, beschließe ich, die Etappe mitzugehen um dort zu bleiben und zu warten, bis die anderen drei Tage später  vom Gipfel wieder zurückkommen.  Guide Joshua trägt an diesem Tag meinen Rucksack – zusätzlich und ich bin ihm sehr dankbar dafür. Denn ich quäle mich langsam und nur mit Unterstützung meiner Wanderstöcke (und ich hasse Wanderstöcke) und dem guten Zureden von Marcus den Berg hinauf.

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