Schwarzwald wie im Bilderbuch

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Tag 3: St. Blasien bis Todtmoos, 19 km, Gehzeit ca. 5 Std.

Der Dom St. Blasius

Warum steht ein dermaßen großer Dom in einem kleinen Schwarzwaldort?

Weil es jeden Tag heißer wird und die Temperaturen für den Schwarzwald ungewöhnlich hoch sind, nehme ich bereits die Bahn um kurz nach acht nach Seebrugg und von dort den Bus nach St. Blasien. Ich beginne meine Tour mit einer Besichtigung des berühmten Doms St. Blasius. Dieser weist mit 36 Metern Durchmesser die größte Kuppel nördlich der Alpen auf. Die ehemalige Klosterkirche innerhalb eines Benediktinerklosters wurde 1768 durch einen Brand zerstört und  Fürstabt Martin Gebert gab den für die damalige Zeit ungewöhnlichen frühklassizistischen Kuppelbau in Auftrag. Die Kuppelkonstruktion aus Eichenbalken trägt das äußere Kuppeldach, an deren Inneren die Zierkuppel aufgehängt ist. 1768 gefertigt, fing die Holzkonstruktion 1874 wieder Feuer. 10 Jahre später wurde die Kuppel erneuert, jetzt bestehend aus 20 Eisenbogenrippen. Durch die Säkularisierung und Aufhebung des Klosters Anfang des 19. Jahrhunderts war mittlerweile der Staat (damals das Großherzogtum Baden, heute das Land Ba-Wü) für die Instandhaltung verpflichtet. 1910 wurde die Innenkuppel so ausgebaut, dass einzelne Architekturelemente für sich wirken konnten. 1977 gab es wieder einen Großbrand im Komplex, die Kirche konnte rechtzeitig gerettet werden. 1981 wurde die Innenkuppel renoviert, durch innenarchitektonische Veränderungen ergibt sich bis heute eine zusammenfließende Gestaltung der Raumschale.

Seit 1934 ist in den Klostergebäuden das Kolleg St. Blasius untergebracht, zwei getrennte Internate für Jungen und Mädchen, das der Jesuitenorden betreibt. Ein prominenter Absolvent dieses Kollegs ist Heiner Geißler.

„Endlich habe ich den Lehenkopf erreicht“

Blick auf den Feldberg

Hinter dem Domplatz führt der Schluchtensteig vorbei an den Kolleggebäuden steil den Berg hinauf. Obwohl es noch früher Vormittag ist, komme ich ins Schwitzen und bin froh, nach einer Stunde den Lehenkopf (1.039 Meter) mit seinem Aussichtsturm erreicht zu haben. Ich steige die Stufen zur Aussichtsplattform nach oben, genieße den kühlen Wind in luftiger Höhe und lasse meinen Blick schweifen. Der Feldberg mit Herzogenhorn ist deutlich zu erkennen.

Der Weg pendelt die nächsten Stunden um die Höhenmarke 1.000 Meter, mal geht es steil bergab, dann genauso steil wieder hinauf. Am Horbacher Felsen habe ich dank des schönen Wetters Alpenblick und erkenne deutlich den Titlis, Eiger, Mönch und Jungfrau am Horizont.

Wenig später, am Klosterweiher, der lange dem Benediktinerkloster als Fischweiher gedient hat, ist der tiefste Punkt der heutigen Etappe erreicht.

„Auf der Terrasse nur Kännchen“, fällt mir da wieder ein und ich schwelge in Kindheitserinnerungen

Traumpfade im Schwarzwald

Es geht wieder steil bergauf und ich verfluche das schöne Wetter, denn die Sonne brennt heute unerbittlich und die Strecke führt meist über liebliche Hänge und begrünte Hügel. Den Schatten des Waldes suche ich heute fast vergeblich. Überhaupt wandere ich heute durch den Schwarzwald, wie man ihn aus dem Bilderbuch kennt: sanft hügelige Wiesen, Hochweiden, auf den Dorfwiesen grasende Kühe, vereinzelt ein Schwarzwaldhaus und immer wieder dichter Nadelwald. Heute erfüllt der Schwarzwald, der in diesem südlichen Bereich als Hotzenwald bezeichnet wird, alle Klischees. Vielleicht gönne ich mir später noch eine Schwarzwälder Kirschtorte…

Die Alpen im Blick

Die Wege sind heute leicht zu gehen – von den Auf- und Abstiegen abgesehen – und zwischendurch wird es mir schon fast langweilig. Einzig das immer wieder auftauchende Alpenpanorama (und die Hoffnung auf Torte) hält meine gute Laune aufrecht. Doch gerade diese anspruchslosen Wege sind es, die meine Gedanken zur Ruhe bringen. Ich setze einen Fuß vor den anderen und merke, wie ich ganz bei mir bin. Als ich registriere, dass ich heute den Bus entspannt erreichen werde, macht sich innere Ruhe und Zufriedenheit breit. Ich nehme mir Zeit, für die zahlreichen Infotafeln am Wegesrand und erfahre viel über die Gegend des ehemaligen Feldberggletschers.

„Hier ist die Zeit stehen geblieben“, denke ich mir

Schließlich komme ich am Ibacher Kreuz an – ein wichtiger Wallfahrtspunkt bei einer Pilgerfahrt zur Todtmooser Barockkirche, überquere die Hauptstraße und es geht hinab zur Hochwehraschlucht, die sich wildromantisch Richtung Todtmoos schlängelt.

Auf dem Weg zur Hochwehraschlucht

Nach 5 Stunden komme ich durstig in Todtmoos an. Es ist Mittwochnachmittag und im Schwarzwald werden Traditionen groß geschrieben: Fast alle Geschäfte und Cafés haben geschlossen. Immerhin kann ich einen Eiskaffee ergattern und wieder einmal merke ich, dass im Schwarzwald die Uhren anders ticken und alles ein bisschen gemütlicher abläuft. Die 24-Stunden-Rumdum-Supermarktverpflegung hat hier zum Glück noch keinen Einzug gehalten.

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