PICO DUARTE (3.087 m) – Tour de Force auf den höchsten Berg der Karibik

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Ein wichtiger Stützpunkt bei der Anreise in die Cordillera Central ist die Stadt Jarabacoa, die am Fuß der Berge auf 600 m liegt.

Gleich bei der Ankunft spüre ich die frische, schwülefreie Luft. Trotz Verspätung werde ich von einem Bekannten von Tim Horn, in dessen schöner Pension ich absteige, von der Busstation abgeholt. Früh am nächsten Morgen bringt er mich ins 35 km entfernte Bergdorf La Cienega (1.100 m), dem Ausgangsort für die meisten Wanderungen in diesem Nationalpark. Nach einem improvisierten und raschen Frühstück bei meinem Guide Julio und der obligaten Registrierung im Centro de Visitantes kann’s endlich losgehen ( ¼ 9 Uhr).

Der noch bei der Anfahrt fast wolkenlose Himmel hat sich inzwischen verdunkelt und bald spüre ich im dichten Bambuswald die ersten Regentropfen.

Hier ist es sehr kühl, sodass ich anfangs sogar mit dem Pullover gehe. Etwas gewöhnungsbedürftig ist, dass Julio auf seinem Pferd reitet und ein mit Schlafsäcken und Lebensmittel bepacktes Muli hinter sich herzieht – wohl Führung auf die feine dominikanische Art! So ist er eben oft ein Stück vor mir, manchmal aber auch etwas hinter mir; bei den wenigen Abzweigungen, die außerdem gut beschildert sind, wartet er freilich auf mich.

Nach der ersten Station (Los Tablones 1.270 m), einem einfachen, offenen Unterstand und der nunmehr schon vierten Bachüberquerung auf einem kleinen Steg geht es bald bergauf und wird rasch recht steil. Meistens folge ich einem breiten Hohlweg, leider desöfteren dem Morast ausweichend, den die Hufe der Tragtiere noch vertiefen. Nebel zieht heran, es tröpfelt leicht und ist sehr feucht – ich komme aber gut voran und habe den Pullover längst ausgezogen. Bisweilen geht es auch kurz bergab und der Weg wird schmäler, wenn er direkt auf einem Kamm dahinführt – Bartflechten zeigen die Feuchtigkeit an. Durch das üppige Grün sind die Ausblicke sehr beschränkt.

Eine erste kurze Rast halte ich auf ca. 1.900 m beim nächsten offenen Unterstand mit Bänken und Tafeln; inzwischen blinzelt etwas die Sonne hervor! Weiter geht’s oft steil, schlammig und rutschig.

Nach 4 Stunden machen wir auf 2.440 m Mittagsrast:

es gibt einen süßen Saft (Orangen, Ananas und Bananen), verdünnt mit warmem Wasser aus meiner Thermosflasche und ein Käsebrot.

erste Ausblicke vom Weg

Dann weiter – immer wieder steil durch den inzwischen etwas lockeren Mischwald und mehr Steinen am Weg; nach wie vor aber nur wenig Sicht in die Umgebung. Schön langsam spüre ich doch Müdigkeit aufkommen, doch auf 2.700 m ist für heute der höchste Punkt erreicht. Der Weg verläuft zunächst eben dahin, dann etwas bergab und wieder hinauf (Aguita Fria), bevor ein steiler Abstieg in etlichen Kehren folgt. Hier herrscht endlich freie Sicht, sodass ich erste Fotos mache.

Hütten zwischen Baumstämmen in Bildmitte

Darauf folgen 2-3 ebene Abschnitte, die Hütten von La Comparticion sind schon längst zu sehen – und immer wieder ermüdende Gegensteigungen mit kurzen Abstiegen, alles etwas verschärft durch die warme Nachmittagssonne, die es nun hier an den Südhängen wirklich gut meint. Immerhin ist jetzt auch der Gipfel als langer bewaldeter Rücken zu sehen.

 

Nach einem kleinen Bach und kurzem Anstieg sind die Hütten auf 2.450 m um 15 Uhr endlich erreicht. So ein Hatsch!

In der geräumigen und sauberen Schlafhütte richten wir uns bald am Fußboden unser Lager mit Matte und Schlafsack ein. Eine Schüssel Reis schmeckt mir sehr gut und abends lässt mich noch ein gekochtes Huhn mit Süßkartoffeln wieder zu Kräften kommen. Ein kleiner Streit trotz Sprachbarrieren, wann wir am nächsten Morgen starten, bringt uns aber nicht aus der Ruhe: Julio möchte um 4 Uhr losziehen, ich frühestens um 6 Uhr – eine Einigung wird nicht erzielt. Der lange und beschwerliche Tag klingt bei offenem Herdfeuer in der Küchenhütte und schließlich noch bei einem Lagerfeuer an einem Unterstand bei immer stärker werdendem Regen aus.

Viel habe ich nicht geschlafen, als der Hüttenwart um 5 Uhr Julio aufwecken kommt;

Wetterstation auf 3.050 m

ich stelle mich schlafend und krabble erst um 6 Uhr aus dem Schlafsack. Nach einer trockenen Semmel und etwas Teewasser marschieren wir um ½ 7 Uhr mit den Stirnlampen und dem Pferd los. Es geht schon wieder etwas bergab! Ab 7 Uhr kann ich die Lampe abschalten, mittlerweile steigen wir in einem lichten Kiefernwald sanft bergan; es wird doch noch steiler und auf 3050 m stehen wir unvermutet in einem Sattel mit schöner Wiese und einer Wetterstation.

Julio lässt endlich sein Pferd zurück und um 8:20 ist der Gipfel mit ein paar Felsen und dem Duarte-Denkmal geschafft.

Kein Wind und nur wenige Wolken stören den friedlichen Eindruck und schönen Rundumblick; es ist auch angenehm warm. Nach Fotos und Müsliriegel steigen wir bereits um ½ 9 Uhr wieder ab; nahe der Wetterstation, wo jetzt auch zwei Nationalparkbedienstete angelangt sind, gibt’s noch ein Käsebrot und etwas Saft, sozusagen als zweites Frühstück.

In einer weiteren Stunde sind wir zurück beim Campamento, packen alles zusammen – es ist sonnig und warm, der Wind zwischendurch höchst willkommen. Das mehrfache Angebot heute zu reiten, nehme ich vorerst nicht an:

En la valle, la ultima parte! Pero la proxima parte es dura!

Die lange Gegensteigung hinauf auf 2.700 m zieht sich gehörig in die Länge, besonders im oberen Teil fallen mir die gut 300 HM schwer; nach dem Scheitelstück ziehe ich aber gleich weiter und erhole mich abwärts rasch, sodass ich bis zu unserem Rastplatz vom Vortag auf 2.440 m durchgehe – der Dreck am Weg ist aber schon wieder ein Ärgernis ! Als Julio schließlich mit den Tieren einlangt, sage ich nur: tengo sed, no tengo hambre!

Nach der Trinkpause und dem zweiten Müsliriegel geht’s steil und endlos lang bergab, noch dazu immer wärmer werdend! Fluchend kann ich dem Dreck oft kaum ausweichen… Doch dann kommt der rauschende Bach immer näher und endlich um ¾ 3 Uhr ist die unterste Station müde erreicht.

Lang habe ich mich darauf gefreut, den Spieß umzudrehen, nämlich ich reite und Julio läuft nebenher – denkste, nix da!

Nach meinem ungelenken Aufstieg auf seinen sanften Schimmel drückt er mir die Zügel in die Hand, wirft sich auf’s Muli und los geht’s ! Dreimal durch Bäche, denn die Vierbeiner gehen nicht über schmale Stege, kurze steile Auf- und Abstiege mit sogar schmalen Passagen – ja, als Reiter sieht man das plötzlich etwas anders – führen uns in einer weiteren Stunde mit gemächlichem Tempo zurück nach La Cienega, wo in Julios Garten sogar Bananen gedeihen….

Noch einige harte Fakten:

1. Tag: 1700 HM – 6 ¼ Std. (ohne Mittagspause)

2. Tag: 1000 HM – 7 Std. (abzüglich der größeren Pausen)

An- u. Abreise nach/von Jarabacoa: mit öffentl. Bussen von Caribe Tours, am besten über Santo Domingo, gut u. preiswert; Fahrpläne u. Preise im Internet

Organisation der Bergtour: Tim Horn, horn@guesthouse-jarabacoa.com, sehr hilfsbereiter Deutscher, lebt seit 20 Jahren auf der Insel

Hilfreich: Grundkenntnisse Spanisch

Wetterprognosen von wetteronline.de, auch für Jarabacoa recht treffsicher

Empfehlenswert: Hans-Jürgen FRÜNDT, Dominikanische Republik, Reise Know-How

 
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