Similaun (3.597 m) – markanter Gipfel der Ötztaler Alpen

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Einmal mehr stellt sich für mich der Marktort Schlanders im mittleren Vinschgau als perfekte Basis für einen Bergurlaub heraus

Einerseits ist man über die südlichen Seitentäler des oberen Etschtales (Martelltal, Suldental) schnell in den Ortlerbergen und andererseits hat man im Norden die gesamte Südtiroler Abdachung der Ötztaler Alpen bis zur österreichischen Grenze vor sich. Zudem habe ich mit dem schönen Hotel Schweitzer im Ortszentrum die ideale Unterkunft gefunden; so ist für die gastfreundliche Familie und ihr Team auch ein Frühstück um 6 Uhr kein Problem.

Wie im Oktober des letzten Jahres habe ich auch Ende Juni besonderes Wetterglück, denn in den ersten Tagen ist es in Nordtirol verregnet, während hier nur ziemlich starker und kühler N-Wind herrscht, der hier als Oberwind bezeichnet wird. Gegen Ende meiner Bergwoche steigen die Temperaturen kräftig an und nach zwei einfachen Dreitausendern im Ortlergebiet traue ich mir schon noch eine größere Tour zu.

Erfahrung zählt

Wenn man sich allerdings allein auf einen Gletscher begibt, ist zu beachten, dass man auf einer vielbegangenen Route unterwegs ist und über genügend Erfahrung verfügt; dennoch sollte man es nur selten machen. Ich verwende ausserdem immer noch einen 77 cm langen Eispickel – ein sogenannter Gehpickel – mit dem man im Zweifelsfall die Schneedecke nach verdeckten Spalten sondieren kann. Diese Vorsichtsmaßnahme hat sich auch in der Seilschaft schon oft bewährt.

So starte ich frohen Mutes vom Parkplatz am Tisenhof (1.814 m)

oberhalb von Vernagt im Schnalstal, das für seine höchstgelegenen Bauernhöfe in den Ostalpen bekannt ist. Knapp vor 7 Uhr ist es hier mit ca. 11°C noch angenehm frisch, alles liegt im Schatten; dennoch gehe ich nur im Hemd, denn mit Steigeisen und Pickel ist der Rucksack ja schwer genug, so dass mir schnell warm wird. Das Tisental ist gleichmäßig steil, d.h. es gibt kaum Flachstücke – anfangs gehe ich über Wiesen und durch schütteren Lärchenwald. Hier wird sogar noch beregnet, Bäche sind ja überall vorhanden. Weiter oben werde ich von zwei Einheimischen überholt, vor allem die sehr schlanke Frau macht Tempo; dafür hole ich drei Süddeutsche ein, die ich schon am Ausgangspunkt über mir gesehen habe. Auf ca. 2.750 m, schon am großen Schuttkegel, mache ich eine kurze Trinkpause; es sind gerade zwei Stunden vergangen. Im Zickzack geht’s bereits in der Sonne weiter, auf gutem Steig zur Wand hin, über Platten und sogar mit Versicherungen, falls man sie benötigt (etwa bei Neuschnee oder Vereisung).

Rast auf der Similaunhütte

Um 09.30 Uhr erreiche ich das Niederjoch und die große, private Similaunhütte (3.016 m); da es Sonntag ist, herrscht hier viel Betrieb. Ich gönne mir einen Tee, Sonnencreme auftragen ist angesagt und ein T-Shirt unters Hemd kommt auch dazu. Die Wanderstöcke lasse ich in der Hütte und die optische Gletscherbrille wird aufgesetzt. Die 20-minütige Pause hat mir gut getan, aber etwas ungelenk stolpere ich über die ersten Blöcke der hüttennahen Moräne.

Einige Leute kommen mir auch ohne Seil entgegen, der Schnee trägt ja gut und ist nicht zu weich. Das Südtiroler Paar vom Anstieg hole ich ein, sie hat mit den Steigeisen Probleme; so wie’s aussieht, wohl eher mit zu weichen Schuhen. Das Angebot, mich bei ihnen ins Seil zu hängen, ist nett, brauche ich heute aber nicht; beide sind dann ohnehin wieder etwas schneller.

 

Vor dem Steilaufschwung auf ca. 3.420 m lege ich die Steigeisen an,

rolle die aufgekrempelten Ärmel herunter und beseitige auch die „Wadenkühlung“, denn der NW-Wind ist schon etwas kalt hier. Auf der schönen Spur und der folgenden Firnschneide komme ich gut voran und erreiche um 11.30 Uhr den bereits aperen Gipfel.

Schnell ist der Pullover angezogen, zwei Müsliriegel und etwas Tee verdrückt. Die Ausssicht kann sich um diese Jahreszeit nicht mit der eines klaren Herbsttages messen, in der näheren Umgebung erkenne ich aber doch „alte Bekannte“ wie Ortler, Weißkugel oder Hohe Wilde.

Die beiden gehen wieder etwas früher; gegen 12 Uhr folge ich ihnen vorsichtig – es geht aber fein ! Die Tritte in der Spur sind schön, sie geht ja ohne Eisen. Ich spüre mein linkes Knie etwas; bald hole ich sie wieder ein und wir gehen gemeinsam zur Hütte zurück ( 1 Std. Abstieg).

Nach einer Stärkung mit einer Nudelsuppe auf der Terrasse beginne ich um 13.30 Uhr den weiteren Abstieg, nur im T-Shirt. Einmal mehr hole ich das Pärchen ein. Wir steigen in angeregter Unterhaltung ab, unter anderem über Erzherzog Johann, der mit dem Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer befreundet war, was man am Hof in Wien gar nicht goutierte. So kommen wir gut bis zum Lärchenwald (in 1 ½ Std.), wo ich mich verabschiede und im Schatten meine Jause verputze; in weiteren zehn Minuten bin ich schließlich beim Auto (15.30 Uhr).

Noch einige harte Fakten:

Aufstieg: 1800 HM  –  4:10 Std. (exkl. Pause)

Gesamtzeit:  ca. 6 ¾ Std.

Empfehlenswert:
und
 

Persönlicher Tipp

Wem der Aufstieg in einem Tag zuviel ist, kann in der Similaunhütte ab Mitte Juni bis Ende September übernachten – weitere Infos siehe Similaunhütte Südtirol
Meine favorisierte Unterkunft im Tal: Hotel Pension Schweitzer – weitere Infos siehe Urlaub in Schlanders – 3 Sterne Hotel Schweitzer

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