Jenseits der 80 und noch kein bisschen müde – was ist dran an den Superagern?

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Sie werden bewundert, als Ausnahmeerscheinungen gefeiert und seit einigen Jahren wissenschaftlich untersucht. Sie, das sind physisch und psychisch leistungsfähige und gesunde Menschen über 80 Jahre, die so genannten Superager. Diese Bezeichnung ist entstanden aus einer Untersuchung in einem medizinischen Labor der Northwestern University in Illinois, wo es darum ging, ob und wie Alzheimer und Demenz verhindert werden können.

Neurowissenschaftler haben in den letzten Jahren herausgefunden, dass die fitten Älteren weniger Marker für eine Alzheimer Erkrankung aufweisen und ihre Gedächtnisleistung noch immer hervorragend ist. Weiterhin wurde erkannt, dass die graue Substanz des Gehirns, die fast nur aus Nervenzellen besteht, bei dieser Personengruppe viel dicker war als bei sehr viel jüngeren Menschen. Je mehr graue Masse das Gehirn aufweist, desto leistungsfähiger ist es. Die Superager haben weniger Schwund von Nervenzellen und mehr Synapsen, also eine bessere Weiterleitung zwischen den Nervenzellen und zwar vor allem in Bereichen, die für Gedächtnis, Zielstrebigkeit und Motivation eine Rolle spielen.

Regelmäßige Bewegung verlängert das Leben

Sind es gute Gene, liegt es an einer speziellen Ernährung oder handelt es sich um ein Wunder? Auf der Suche nach der Erforschung des Jungbrunnens haben die Experten mehrere Dinge herausgefunden. Zum einen – und das ist nicht neu – kann regelmäßige Bewegung das Leben um mehrere Jahre verlängern. Und je öfter man trainiert und sich bewegt, umso besser geht es dem Gehirn. Mit Ausdauersport kann also potenziell der Alterungsprozess verlangsamt werden, intensiver Sport kann vor dem Altern schützen.

Zum anderen wurde festgestellt, dass es keine Rolle spielt, wie talentiert oder gesund man ist oder ob man sich schon sein Leben lang viel und gerne bewegt hat. Viele Superager haben erst durch ein herausragendes Ereignis mit dem Sport angefangen, weil sie beispielsweise Bluthochdruck hatten oder der Partner verstorben ist. Einzig wichtig ist die Entscheidung, sich aus der eigenen Komfortzone heraus zu bewegen, sich selbst herauszufordern, dabeizubleiben und den Schmerz als Herausforderung zu sehen.

Raus aus der Komfortzone ist der Schlüssel zum Erfolg

Bei den Superagern bleiben insbesondere die Gehirnareale von der Degeneration verschont, die beim Menschen Motivation, Selbstdisziplin und Zielstrebigkeit steuern. Also genau die Regionen, die beteiligt sind, wenn Menschen an etwas Schwierigem und Herausforderndem arbeiten. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass Superager Herausforderungen lieben, in allen Bereichen des Lebens – ob beim Sport oder bei anderen Dingen, die neu gelernt werden.

Wer sich nicht gut bewegen kann, kann sich andere Herausforderungen suchen: eine neue Sprache lernen, die Steuerklärung selbst machen, den Umgang mit Computern übern. Hauptsache, es sei anstrengend und ein bisschen frustrierend, sagt sie. Dann nämlich seien mit Sicherheit die richtigen Hirnareale beteiligt.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Bereitschaft, regelmäßig aus seiner eigenen Komfortzone herauszutreten, der Schlüssel zum Erfolg, der Schlüssel für eine hohe Leistungsfähigkeit im Alter ist.

Hier einige Beispiele der Superager:

Olga Kotelko hat mit 77 Jahren begonnen, Sport zu treiben. Nach einem Berufsleben voller Trubel als Lehrerin und Mutter zweier Kinder war ihr als Rentnerin langweilig, so dass sie sich eine Beschäftigung gesucht hat: Dreimal pro Woche ging sie ins Fitnessstudio, machte täglich 30 Liegestütze und 75 Sit-ups. Sie war sie eine erfolgreiche Leichtathletin und kann 750 Medaillen und 30 Weltrekorde vorzeigen, denn in fast jeder Disziplin, in der sie antrat, (Speerwurf, Weitsprung, Kugelstoßen, Hundertmeterlauf) hat sie auch gewonnen. 2015 ist sie im Alter von 95 Jahren für immer eingeschlafen.

Ingeborg Syllm-Rapoport promovierte mit 102 Jahren und darf sich die älteste Doktorandin aller Zeiten nennen. Sie promovierte 2015 obwohl sie schon 1938 als Kinderärztin ihre Doktorarbeit über Diphtherie erstellt hatte. Das NS-Regime verwehrte ihr aber aufgrund ihrer jüdischen Wurzeln den Titel. Rapoport holte den Stand der Forschung mithilfe von Google und Literaturrecherche nach. In der DDR hatte sie als Kinderärztin an der Berliner Charité gearbeitet. Sie starb im März 2017.

Tao Porchon-Lynch, mit 98 Jahren die älteste Yoga-Lehrerin der Welt, unterrichtet in New York noch immer fünf bis acht Yogaklassen pro Woche. Außerdem liebt sie Standardtanz und nimmt an Wettbewerben teil. Sie arbeitete früher als Model, Schauspielerin, Filmproduzentin und preisgekrönte Buchautorin. Sie isst jeden Tag eine halbe Grapefruit und trinkt viel, isst nach eigener Aussage aber wenig. Außerdem glaubt sie: Was man sich am Morgen in den Kopf setzt, wird wahr.

Robert Marchand hat mit 105 Jahren gerade einen neuen Stundenweltrekord im Radfahren aufgestellt. Dabei versucht man, in 60 Minuten so viele Kilometer wie möglich zu radeln – er schaffte 22,57. In dieser Altersklasse war zuvor noch nie jemand angetreten. Marchand war Feuerwehrmann, Holzfäller und Weinhändler und begann erst im Rentenalter mit dem Radsport. Er trainiert täglich und will im kommenden Jahr seinen eigenen Weltrekord überbieten.

Man Kaur hat mit 101 Jahren bei den World Masters Games in Neuseeland kürzlich eine Goldmedaille im Sprint geholt. Sie gewann den Hundertmeterlauf mit einer Minute und 14 Sekunden und war die einzige Teilnehmerin in der Kategorie “100 Jahre und älter”. Die Athletin hatte erst vor acht Jahren mit dem Sport begonnen, als ihr Sohn sie mit zum Campus der Punjab University nahm. Dort habe sie entdeckt, dass ihr das Rennen liegt. Seither hat sie 17 Goldmedaillen geholt und trainiert jeden Tag.

Dies ist eine Zusammenfassung des Artikels „Wer sich quält, wird alt“ von Fanny Jiménez in „Die Welt“

Den kompletten Text kannst Du hier lesen: Artikel “Wer sich quält wird alt”

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