Zum Jahreswechsel in den Semien- Mountains – eine Alternative zur Silvesterparty

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Drei lange Trekkingtage in den Semien-Bergen (Äthiopien) liegen hinter uns. Es ist Silvester, Jahresende. Zuhause würden wir uns jetzt mit Freunden zu einer Silvesterparty treffen, über alles Mögliche reden, nebenher etwas essen und um Mitternacht den anderen zuschauen, wie sie eine Silvesterrakete nach der andern gen Himmel schicken und in der Gemeinschaft der anderen Silvesterraketenzünder die Nacht in eine lärmerfüllte Dämmerung verwandeln.

Aufstieg statt Ausschlafen …

Aber wir haben uns zum Jahreswechsel anders entschieden. Für eine Trekking- und Kulturreise nach Äthiopien, genauer gesagt in den nördlichen Landesteil. Die Semien Berge sind lt. Reiseführer die höchste Bergkette im Abessinischen Hochland. Wir bewegen uns vom Start weg auf 3.000m und höher. Da wir aber bereits bei Ankunft in Addis Abeba auf ungefähr 2.300 m angekommen sind, fiel uns die Akklimatisation glücklicherweise nicht schwer.

 

Die Landschaft durch die wir uns bewegen ist phänomenal. Die Semien-Berge liegen entlang des Ostafrikanischen Grabenbruchs, was uns zum einen immer wieder neue grandiose Ausblicke, zum anderen eine doch recht anspruchsvolle Streckenführung beschert. Start der Tour war in Debark, dem Eingang zum Semien Mountains National Park (UNESCO Weltkulturerbe seit 1978). Hier treffen wir die dort obligatorische Begleitung, unseren Guide und zwei bewaffnete Ranger. Weiter geht es nach Sankabar, wo wir mit dem Rest der Begleitmannschaft, Mulitreiber und Koch, zusammentreffen. Ab jetzt geht es zu Fuß weiter. Erste Station ist Geech. Wir campen auf 3.600 m.

Über die Ebene pfeift der Wind, es ist bitterkalt.

Ohne Daunenjacke, Überhose, Handschuhe und Mütze ist es nicht auszuhalten. Zum Ausgleich gibt es einen gigantischen Sonnenuntergang. … 

Tag 2 führt uns über einen 4.000 m hohen Pass in das nächste Camp nach Chenek. Auch hier nächtliche Eiseskälte. Es hat sogar Frost – das hätten wir auch in Deutschland haben können…. Ich verkrümle mich früh in meinen Schlafsack, während einige Mitwanderer die halbe Nacht „Uno“ spielen und viel zu lachen haben. Der nächste Tag bringt uns in einer neunstündigen Etappe nach Ambiquo, unserem Base Camp für den Ras Dashen, mit 4.533 m der höchste Berg Äthiopiens. Es ist der 31.12.2016 und wir gehen früh schlafen.

Neujahrsmorgen – drei Uhr, aufstehen.

Nach einem kurzen Frühstück geht es um vier Uhr im Licht unserer Stirnlampen los. Ich bin fokussiert auf meinen kleinen Lichtkegel vor mir, passe auf, dass ich nicht stolpere oder gar stürze. Zügig geht es voran und irgendwann fängt es an zu dämmern. Wir gehen einen ziemlich ausgetretenen Pfad entlang als uns ein endemischer Einwohner des Nationalparks gegenüber steht:

Der Äthiopische Wolf ist sichtlich genauso erstaunt ob dieser Begegnung wie wir, nach eingehender Musterung entscheidet er sich aber für einen leichtfüßigen Rückzug.

 

Nach einer kurzen Rast geht es weiter. Das Wetter ist heute nicht auf unserer Seite, tiefhängende Wolken verhindern jede Aussicht. Zum Gipfel hin wird es noch einmal anspruchsvoll, eine kurze Klettereinheit wird uns abverlangt, der Gipfel selbst ist dann eher unspektakulär, wenigstens reißen die Wolken etwas auf. 

Eine schöne Überraschung gab es oben dann doch. Die Einheimischen sind recht geschäftstüchtig und haben uns am Gipfel mit kalten Getränken erwartet.

So konnten wir Top of Ras Dashen am Neujahrsmorgen um 10.30 Uhr mit einem einheimischen Dashen Bier auf unseren Erfolg und das neue Jahr anstoßen.

Der Weg zurück ins Base Camp brachte mich ein paar Mal dazu mir die Augen zu reiben „Da sind wir hoch? Zum Glück war es dunkel …“ Je länger der Abstieg dauerte, desto mehr lies meine Konzentration nach. Das führte dann dazu, dass es mich zweimal im Geröll auf den Hosenboden setzte. Glücklicherweise ist nichts Schlimmeres passiert.

Im Camp wurden wir, einem Zieleinlauf gleich, von unserer Begleitmannschaft mit Blumen und Gesang herzlich empfangen.

Zur Feier des Tages gab es zum Abendessen eine Auswahl Äthiopischen Weins.

 

Die weitere Strecke führte uns noch über Sona, Makarabia und Mulit nach Adi Arkey, dem Endpunkt unserer achttägigen Trekkingtour, die mir einiges abverlangte, mich gefordert und definitiv aus meiner Komfortzone herausgeführt hat.

Literaturtipps zu dieser Reise:

 
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